Beziehungstipp: Bevor du explodierst

von  Niklas Löwenstein

20 Minuten war ich jetzt schon um den Block gefahren. Aber nirgendwo war ein verdammter Parkplatz frei. Ich war schon 5 Minuten zu spät zum Meeting und noch war nicht absehbar, wann es endlich was werden würde. Toller erster Eindruck.

Köln… An einem Werktag kommen da in der Innenstadt gefühlt 3 Autos auf einen Parkplatz. Wäre jedenfalls schön, wenn das ginge, nur leider passt auch hier nicht mehr als eins drauf.

Und während ich kurz davor war, aus Frustration ins Lenkrad zu beißen, sehe ich auf einmal auf der gegenüberliegenden Seite einen Parkplatz.

Frei und legal...

Wenn da nur der Gegenverkehr nicht wäre...

Ich blinke also schön links und warte darauf, dass sich eine Lücke ergibt.

Und warte…


Und warte…


Und ein Mercedes Fahrer fährt gemütlich auf MEINEN Parkplatz.

$%&/§$&!!!!!! §$&! §$%§$%&

Ich gebe hier den genauen Wortlaut, der sich in meinem Auto abgespielt hat, lieber nur zensiert wieder.

Vielleicht kennst du das ja auch? Vermutlich nicht in der gleichen Situation, aber wir werden alle zwischendurch mal ärgerlich.

Und weil wir unser Leben miteinander verbringen, gar nicht so selten auch auf unseren Partner.

Nun, bei meinem Beispiel saß mit ziemlicher Sicherheit Satan am Steuer des Mercedes. Im unwahrscheinlichen Fall, dass er es nicht war, könnte aber natürlich auch einfach jemand dort gesessen haben, der nicht die geringste böse Absicht mir gegenüber hatte. Vielleicht hat er oder sie mich nicht einmal wahrgenommen...

Wir tendieren dazu, dem anderen unsere Perspektive zu unterstellen.

Meine Frau kann das zum Beispiel ganz gut, wenn ich mal wieder leichtfüßig über den Wäschekorb geschwebt bin, anstatt ihn die Treppe mit hinauf zunehmen. Und auch wenn ich sie da völlig verstehen kann, war das von mir nie der Versuch, ihr Leben noch ein wenig schwieriger zu gestalten, sondern meistens die fehlende Aufmerksamkeit, weil ich mal wieder in Gedanken war.

Der Unterschied, ob sie jetzt sauer wird, oder mich einfach auf mein Versäumnis aufmerksam macht, hängt dann davon ab, wie sie diesen Vorfall interpretiert.

Wenn sie mir - zurecht - unterstellt, dass ich versuche ihr zu helfen, wo ich kann, dann wird sie sich überlegen, was dazu geführt haben kann, dass ich in dem Moment so gedankenlos war. Und dann fällt ihr vermutlich ein, was ich gerade alles um die Ohren habe und dass ich vermutlich gerade intensiv über etwas anderes nachgedacht habe.

Alternativ hat sie aber natürlich auch die Möglichkeit, mir zu unterstellen, dass ich mich einfach nicht dafür interessiere, wie es ihr geht und ich den Korb einfach habe stehen lassen, weil es mir egal ist.

Was meinst du, wie sich ihre Stimmung und unser nächstes Gespräch unterscheidet, je nachdem, welche der Interpretationen sie wählt?

Das war jetzt natürlich nur ein kleines Beispiel aus unserem Leben, aber bei euch wird es auch ähnliche Situationen geben. Und in jeder Situation gibt es eine Sachebene (Korb nicht mitgenommen) und eine Interpretationsebene (wie kam es dazu und warum).

Auf die Sachebene hast du keinen Einfluss, aber du kannst sehr wohl daran arbeiten, wie du die Dinge interpretierst.

Dazu gibt es eine Technik, die schon der römische Philosoph Seneca vor 2.000 Jahren erfolgreich praktiziert hat und die heute noch genauso gut funktioniert:

Versuch in solchen Situationen wie ein Anwalt zu denken... Oder eher wie ein Strafverteidiger. Versuch, die Situation so zu sehen, als müsstest du den anderen verteidigen. Als müsstest du einen Richter und Geschworene davon überzeugen, dass der “Angeklagte” nicht aus böser Absicht gehandelt hat, sondern es gute Gründe für sein oder ihr Verhalten gab. Vielleicht hatte er einen harten Tag. Vielleicht hatte sie Streit mit dem Chef, oder kaum Schlaf wegen der Kinder.

Es ging nie darum, uns zu schaden, sondern der andere hatte Gründe für sein Verhalten, die aus seiner Sicht völlig plausibel und keineswegs gemein waren. Versuche, die Seite des Anderen zu sehen.

Am Ende sind wir alle nur Menschen und die Chancen sind hoch, dass du regelmäßig selbst andere verärgerst, ohne dass du es böse gemeint hast. Warum soll das also bei anderen anders sein?

Wenn wir das tun, wenn wir anfangen, anderen Menschen (und insbesondere unseren Partnern) keine bösen Absichten zu unterstellen, solange diese nicht zweifelsfrei bewiesen sind, entspannt sich alles. Wir können über Dinge hinweg sehen. Wir können vergeben. Und wir können anfangen, uns auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist…

Unser eigenes Verhalten.


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Niklas Löwenstein


Muss ich mich wirklich trennen, oder gibt es noch Hoffnung? Niklas war kurz davor, seine Ehe gegen die Wand zu fahren... Um seine Kinder vor einer Scheidung zu bewahren und wieder glücklich werden zu können, stürzte er sich auf alles, was seiner Beziehung vielleicht helfen konnte.

Aus dieser Suche wurde erst ein Hobby und dann nach und nach seine Lebensaufgabe. Heute ist seine Ehe glücklicher als je zuvor und er hilft mit seinen Artikeln, Büchern und Programmen hunderttausenden dabei, auch wieder glücklichere Beziehungen zu führen.

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