Wir schlafen seit Jahren nicht mehr miteinander – was jetzt?

von  Niklas Löwenstein

Ihr seid schon länger zusammen, lebt miteinander, aber plötzlich kommt dir der Gedanke: Wir schlafen seit Jahren nicht mehr miteinander. Ist das überhaupt normal? Und wie lang wird das noch gutgehen? 

Normal, das ist ja immer so ein Begriff. Was sich “normal” und gut anfühlt, ist natürlich wieder so eine individuelle Sache. Für manche Paare ist es selbstverständlich, mindestens zwei Mal pro Woche miteinander zu schlafen, andere kommen allein bei dem Gedanken in Stress und finden, dass zwei Mal im Monat absolut ausreicht.

Natürlich ist beides - und alles dazwischen, darüber und darunter - völlig in Ordnung... solange beide Partner damit gleichermaßen zufrieden sind. Und da sind wir dann auch schon beim Thema: Was, wenn es nicht so ist?

Ihr habt also schon seit langer Zeit keinen Sex mehr. Vielleicht läuft es bei euch trotzdem so einigermaßen. Aber da du diesen Text hier von mir gefunden hast, gehe ich mal davon aus, dass du im Moment nicht glücklich bist mit der Situation...

Zeit, etwas zu ändern.

Schritt Nr. 1: Vorüberlegungen

Als Erstes solltest du dir einen Überblick verschaffen. 

Nimm dir in einer ruhigen Minute mal Stift und Zettel zur Hand und versuch, folgende Fragen für dich zu beantworten:

  • Wie geht es dir damit, dass ihr seit Jahren nicht mehr miteinander schlaft?
  • Was glaubst du, wie geht es deinem Partner damit?
  • Wann habt ihr aufgehört, miteinander zu schlafen? Gab es einen Auslöser?
  • Was, glaubst du, sind im Moment die Gründe dafür, dass ihr keinen Sex habt? 

Du hast dir jetzt die Zeit genommen, eure Situation zu reflektieren. Wunderbar, damit hast du den ersten Schritt gemacht. Jetzt schau dir deine Antworten nochmal an. 

Schritt Nr. 2: Finde eure Beziehungs-Bremsen

Wenn in einer Beziehung Sex irgendwann nicht mehr stattfindet, gibt es fast immer mindestens eins von sieben Kommunikationsproblemen zwischen den Partnern. Wir nennen diese Probleme "Beziehungs-Bremsen", denn solange du sie nicht löst, kannst du so viel Energie in deine Beziehung stecken, wie du willst... Es wird nicht viel nutzen.

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Schritt Nr. 3: Wohin deine Vorüberlegungen führen -  die Hintergründe beleuchten

Wenn du glaubst, dass es dir oder deinem Partner oder sogar euch beiden nicht gut geht damit, dass ihr in einer Beziehung ohne Sex lebt, dann solltet ihr bald etwas ändern.

Es ist wie mit allen Problemen: sie gehen nicht weg, wenn man einfach weitermacht wie bisher und sie ignoriert. Manchmal schwelen sie fast unbemerkt im Hintergrund, aber es ist gut möglich, dass sie dann irgendwann plötzlich auflodern und euch im wahrsten Sinne um die Ohren fliegen. Du weißt also, dass du etwas tun musst.

Gab es einen Auslöser dafür, dass ihr keinen Sex mehr habt? Dann versuch, dir diesen nochmal genau anzuschauen. Was genau ist passiert? Was, glaubst du, braucht ihr als Paar, um diese Erfahrung hinter euch zu lassen? Braucht ihr dafür vielleicht Hilfe von außen, einen Beziehungscoach oder Therapeuten, der euch - oder auch erstmal nur einen von euch - unterstützt?

Wenn es keinen Auslöser gab, wie ist es dazu gekommen, dass ihr nun eine Beziehung ohne Sex führt? 

Außerdem hast du dir Gedanken gemacht, warum ihr seit Jahren nicht miteinander schlaft. Fehlt euch die Zeit im Alltag? Schau dir mal genau an, was eure Zeit in Anspruch nimmt. Ich weiß, dass der Alltag (vielleicht sogar mit Kindern) extrem voll sein kann. Wie oft hab ich mir schon gewünscht, dass der Tag bitte 30 Stunden haben soll, damit ich alles schaffe, was eigentlich gerade ansteht.

Es kann auch sein, dass die Partnerschaft in manchen Zeiten mal etwas zurückstehen muss, ganz klar. Ein Dauerzustand sollte das aber nicht werden. 

Oder ist die Anziehung das Problem und euch fehlt im Bett die Lust aufeinander? Lustlosigkeit kann verschiedene Ursachen haben. Ich habe dazu schonmal in früheren Artikeln einiges geschrieben: einmal über die Ursachen für Lustlosigkeit beim Mann und einmal über sexuelle Unlust bei Frauen.

Tatsächlich ist es so, dass deine Lust - deine Libido - auch immer weniger wird, je seltener du Sex hast. Dein Körper gewöhnt sich sozusagen an die Sexlosigkeit und drosselt immer mehr die Produktion bestimmter Sexualhormone. Bis deine Libido komplett verschwindet. Das ist dann aber nicht unumkehrbar - wenn du wieder anfängst, Sex zu haben, wird auch die Hormonproduktion wieder angekurbelt.

Oder ist eure Beziehung belastet von Problemen, die natürlich diese Anziehung auch einfach verhindern können? Wer streitet oder oft wütend aufeinander ist, bekommt meistens nicht unbedingt Lust auf Zärtlichkeiten.

Es ist wichtig, sich die aktuelle Situation anzuschauen, um dem Problem wirklich auf den Grund zu gehen. Ich weiß, das ist manchmal gar nicht einfach. Und oft auch schmerzhaft.

Letztlich hilft es aber nicht, wenn ihr euch einfach irgendwie auf die Fahnen schreibt, wieder (mehr) Sex zu haben, aber eure eigentlichen Probleme nicht angeht.

Schritt Nr. 4: ...und Action!

Du hast jetzt einen guten Überblick darüber, was euren Problemen zugrunde liegt. Und dabei hast du bestimmt auch schon ein Gefühl dafür bekommen, was du dir für die Zukunft wünschst. Was genau ist das? Mehr Zärtlichkeiten? Vielleicht mehr Aufmerksamkeit? Mehr Sex, mehr Leidenschaft? 

Was kannst du jetzt also konkret tun, um die Situation zu ändern? 

Die Sache ist die: alles, was du alleine tun konntest, hast du jetzt getan - mit deinen Vorüberlegungen und dem genauen Reflektieren über eure Situation. 

Jetzt musst du deinen Partner mit ins Boot holen. Es ist eure Beziehung und euer Sexleben. Es ist eure gemeinsame Zeit und eure Zukunft als Paar. 

Bitte deinen Partner um ein Gespräch, das ihr in aller Ruhe und möglichst ungestört führen könnt. Erzähl ihm von deinen Sorgen und davon, wie du dich fühlst.

❗ Ganz wichtig: Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu suchen. Die Schuldfrage steht einem guten Gespräch immer im Wege. Versuche, deine Gefühle zu schildern, ohne deinem Partner damit Vorwürfe zu machen (z.B. “Ich bin unglücklich mit der Situation, weil ich das Gefühl habe, dass wir uns immer mehr auseinanderleben.” statt “Ich bin nicht glücklich, weil du so viel arbeitest, dass wir nie Zeit füreinander haben.”).

Lass deinen Partner teilhaben an deinen Gefühlen und an deinen Überlegungen. Dann könnt ihr gemeinsam schauen, welche Lösungen für euch möglich wären. Oder wo ihr vielleicht Hilfe bräuchtet - weil euch ein Problem zu groß erscheint, eine Situation zu verfahren ist oder ihr einfach ratlos seid. Das ist übrigens überhaupt nicht ungewöhnlich. Ihr könnt einen Coach oder einen Therapeuten in der Regel auch für einzelne Sitzungen in Anspruch nehmen. Die wichtigsten Informationen darüber habe ich euch in diesem Artikel zusammengefasst. 

Wenn zu wenig Zeit zu zweit euer Hauptproblem ist, warum ihr in einer Beziehung ohne Sex lebt, dann solltet ihr gemeinsam überlegen, wie ihr eure Beziehung und Zärtlichkeiten füreinander wieder weiter nach oben schiebt auf eurer Prioritätenliste. Vielleicht könnt ihr manche Verpflichtungen “outsourcen”, sodass ihr euch leichter Freiräume schaffen könnt für Zweisamkeit.

Auch über andere Beziehungsprobleme müsst ihr sprechen, erst recht, wenn sie euch daran hindern, zärtlich miteinander umzugehen. Nehmt euch Zeit für gemeinsame Gespräche. Ihr müsst nicht alles in einer Stunde besprochen haben. In meinem Artikel über Beziehungsprobleme und mögliche Lösungen findet ihr Anregungen, die euch für eure Gespräche hilfreich sein können.

Aber auch hier gilt wieder: Wenn ihr nicht weiterkommt, scheut euch nicht davor, euch Hilfe von außen dazu zu holen. Den oben schon erwähnten Artikel, in dem ich darüber schreibe, wie man das angehen kann, findest du hier.

Wenn ihr euch über eure Probleme austauscht und nach Lösungen schaut, die für euch passen, seid ihr bereits auf einem guten Weg. Denn euer Weg zu mehr Sex in eurer Beziehung kann nur ein gemeinsamer sein.

Niklas Löwenstein


Muss ich mich wirklich trennen, oder gibt es noch Hoffnung? Niklas war kurz davor, seine Ehe gegen die Wand zu fahren... Um seine Kinder vor einer Scheidung zu bewahren und wieder glücklich werden zu können, stürzte er sich auf alles, was seiner Beziehung vielleicht helfen konnte.

Aus dieser Suche wurde erst ein Hobby und dann nach und nach seine Lebensaufgabe. Heute ist seine Ehe glücklicher als je zuvor und er hilft mit seinen Artikeln, Büchern und Programmen hunderttausenden dabei, auch wieder glücklichere Beziehungen zu führen.

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