9 Gründe für sexuelle Unlust bei Frauen – was euch jetzt hilft

von  Niklas Löwenstein

Flaute im Bett, Frust statt Lust...sexuelle Unlust bei Frauen ist weit verbreitet. Natürlich muss Frau nicht ständig Lust haben auf Sex. Wenn das aber zum Dauerzustand wird, kann das ein großes Problem und eine Belastung für eine Partnerschaft sein. Kommt dir das bekannt vor?

Wir reden Tacheles: 

Wie kommt es zur weiblichen Lustlosigkeit? Was kann dahinter stecken? Und vor allem: Was könnt ihr als Paar tun, damit das Verlangen in eurer Beziehung auch bei ihr wiederkommt?

Sexuelle Unlust bei Frauen: 9 Ursachen und was dagegen helfen kann

Wenn Lustlosigkeit in deiner Beziehung ein Problem ist, kommt es dir vermutlich so vor, als wäre das etwas völlig Unnormales. Das ist nämlich so etwas, worüber ungern gesprochen wird. Ich kann dir aber versichern: es kommt sehr oft vor. Etwa 30% aller Frauen sollen betroffen sein (und ja, auch bei Männern kommt es vor!).

Auch in Beziehungen, bei denen du das vielleicht nie vermuten würdest. 

Ihr seid also nicht allein mit dem Problem. Und dass so viele Paare damit zu kämpfen haben, liegt auch daran, dass es sehr viele Dinge gibt, die die sexuelle Unlust verursachen. Daher gehen wir jetzt mal einigen Gründen für die fehlende Lust auf den Grund. Wir unterscheiden in körperliche und psychische Ursachen, wobei natürlich das eine oder andere miteinander zusammenhängen kann.

Körperliche Ursachen für die sexuelle Unlust bei Frauen

Wenn wir über Sex sprechen, sind wir auch ganz schnell im Bereich des Seelischen, der Gefühle, der Ängste - auch wenn wir mit den körperlichen Ursache anfangen. Sex kann in einer Partnerschaft schließlich der Ausdruck einer großen Verbundenheit sein. Und es ist wirklich sehr oft so, dass körperliche Probleme, Erkrankungen oder Ungleichgewichte direkte Auswirkungen auf unsere Psyche und Libido haben können. Dazu gehören zum Beispiel auch Übergewicht, Diabetes oder chronische Schmerzen.

Schauen wir uns also zunächst die körperlichen Ursachen genauer an.

1. Die Pille/ Hormonelle Störungen

Noch vor 10 Jahren haben fast die Hälfte aller deutschen Frauen die Pille genommen...mittlerweile ist es nur noch etwa ein Drittel. Warum? Weil so nach und nach immer bekannter wurde, dass die Pille zwar in vielerlei Hinsicht praktisch sein kann, aber eben auch so einige Nebenwirkungen mit sich bringt. Sie greift eben ziemlich stark in den Hormonhaushalt der Frau ein. Und das hat oft Folgen. Unter anderem begünstigt sie Thrombosen, erhöht das Depressionsrisiko und hat oft die weibliche Libido auf dem Gewissen.

Es gibt die Theorie, dass sexuelle Unlust bei Frauen durch das Absenken des Hormons Testosteron unter Pilleneinnahme begünstigt wird. Das ist aber strittig. Nun kommt es im weiblichen Zyklus natürlicherweise immer zu Libidoschwankungen. Je nachdem, wie gut du deinen Körper kennst bzw. wie offen deine Partnerin mit dir darüber spricht, kennst du das vielleicht: in der Zeit vor dem Eisprung kommt es meist zu einem Anstieg der Lust. Danach fällt sie wieder ab. Ist ja auch ziemlich logisch. Die Pille unterdrückt das aber alles und somit fällt auch der Anstieg einfach aus.

Auch ohne Pille kann der Hormonhaushalt aus dem Lot geraten. Viele Frauen leiden an einer Schilddrüsenunterfunktion, ohne es zu wissen. Sie fühlen sich oft müde und erschöpft, leiden unter Depressionen und sexueller Unlust. 

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Hol dir als Frau auf jeden Fall ärztlichen Rat. Es lohnt sich vielleicht, einmal den Hormonspiegel gründlich checken zu lassen. Vielleicht könnt ihr euch auch beraten lassen im Hinblick auf nicht-hormonelle Verhütungsmittel, wenn das für euch in Frage kommt. 

Seid aber auf jeden Fall immer im Gespräch miteinander, wie es euch gerade mit euren Bedürfnissen geht, was für Ängste oder Bedenken ihr habt. Wenn du ungern allein zum Arzt gehst, nimm deinen Partner mit. Wenn du deine Partnerin unterstützen möchtest, frage sie, was sie von dir braucht, wie du ihr hilfreich zur Seite stehen kannst. 

2. Medikamente/ Antidepressiva

Auch andere Medikamente (die Pille ist ja letztlich auch eines) können den Libidoverlust verursachen. Ganz vorneweg werden immer die Antidepressiva und Blutdrucksenker genannt. 

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Wenn du Medikamente einnimmst und das Gefühl hast, sie passen nicht richtig zu dir, solltest du das immer mit deinem Arzt besprechen. Manchmal kann der Behandlungsplan nämlich entsprechend geändert oder angepasst werden. Dafür muss dein Arzt aber natürlich erstmal wissen, was dir fehlt.

Und ja, es ist vermutlich den meisten Menschen unangenehm, mit einem Fremden über Sex oder sexuelle Unlust zu sprechen. Aber es kann sich lohnen, über diesen Schatten zu springen - zumal ein Arzt auch dafür da ist und damit professionell umgehen können sollte. 

3. Schmerzen beim Sex

Als häufige Ursache für Schmerzen sind hier wieder Medikamente zu nennen, die als Nebenwirkung haben können, dass die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht gerät. Trockenheit kann die Folge sein und die wiederum führt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zu Schmerzen und kleinen Verletzungen. Das ist natürlich nicht wirklich lustfördernd.

Verständlich, oder?

Wenn du oder deine Freundin diese schmerzhafte Erfahrung dann einmal - oder wiederholt - gemacht hat, dann kommt auch noch die Angst vor eben diesen Schmerzen dazu. Diese Angst blockiert zum einen, zum anderen sorgt sie aber auch zu weiterem Verkrampfen - und damit meist zu noch mehr Schmerz.

Apropos Angst: Angst kann natürlich noch weitere Gründe haben, aber in jedem Fall ist Angst nicht entspannungsfördernd. Schau dir hierzu auch bitte das Kapitel zur Ursache Nr. 9 an, wo es nochmal speziell um Ängste und Traumata geht.

Was kannst du tun, was könnt ihr tun? 

Versucht, der Ursache auf den Grund zu gehen. Wo genau hast du die Schmerzen? Sprich auf jeden Fall mit deinem Gynäkologen darüber. Dein Arzt oder deine Ärztin kann dann in einer Untersuchung feststellen, ob deine Schmerzen eine körperliche Ursache haben.

Wenn du das Gefühl hast, dass du Unterstützung brauchst im Hinblick auf Ängste, hol dir auch hier professionelle Hilfe. Ein Therapeut oder eine Therapeutin kann dir helfen, dir wirklich klar zu werden, worin die Ursache für deine Ängste liegen - und wie du sie auflösen kannst.

Unterstützend könnt ihr Gleitgele ausprobieren. Diese helfen zumindest schonmal im Hinblick auf die Schmerzen durch Trockenheit.

4. Zustand nach Geburt

Eine Geburt ist für einen Körper ein absoluter Ausnahmezustand. Und was für ein Wunder - da wächst ein ganz neuer, kleiner Mensch in deinem Körper bzw. im Körper deiner Partnerin heran.

Nach der Geburt ist es eine ganz individuelle Entscheidung, wann sich eine Frau wieder bereit fühlt, mit ihrem Partner zu schlafen. Ganz egal, ob du bzw. deine Partnerin einen Kaiserschnitt hatte oder eine Spontangeburt - große oder kleine Blessuren hat es vermutlich gegeben. Und dann beginnt der Körper ja auch mit der Rückbildung. Abgesehen davon, ist in der Regel alles in der Frau in der ersten Zeit auf den Säugling ausgerichtet. 

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Ganz wichtig, aber auch ganz schwierig: Geduld haben. Jede Frau hat ihr eigenes Tempo. 

Bei Unsicherheiten, Ängsten und auch, wenn du weiterhin Schmerzen hast, die scheinbar nicht besser werden, wende dich bitte unbedingt an deine Hebamme oder - falls du keine hast - an deinen Arzt oder deine Ärztin. 

Auch ganz wichtig ist es, dass ihr als Paar immer im Austausch miteinander seid. Vielen Frauen ist nach der Geburt erstmal nach “Einigeln” mit dem Baby. Versucht aber trotzdem, euch einander mitzuteilen, was euch gerade wichtig ist, wie es euch geht, was ihr gerade braucht und was ihr euch vom Partner wünscht. Nur, wenn man weiß, was in dem anderen vorgeht, kann man darauf Rücksicht nehmen und Verständnis dafür haben.

5. Schwangerschaft, Stillzeit, Menopause

Auch hier haben wir drei sehr individuelle, mögliche Phasen im Leben einer Frau. Jede Frau erlebt diese anders, auf ihre Weise. Ein paar Beispiele:

  • Einer Freundin von mir ging es in der Schwangerschaft zehn Monate lang nur schlecht, sie musste sich ständig erbrechen. Ihre Schwester dagegen hatte zwei Bilderbuchschwangerschaften ohne irgendeine Einschränkung. Im Gegenteil, sie genoss die Zeit total. 
  • In der Stillzeit fühlt sich die eine Frau unheimlich sexy, hat große Lust auf ihren Mann - die andere mag gar nicht von ihrem Partner berührt werden, hat sie doch schon den ganzen Tag den kleinen Säugling auf und an sich.
  • Eine Frau geht ohne Probleme durch die Zeit der Menopause, ihre Kollegin dagegen kann vor Hitzewallungen kaum noch schlafen. 
Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Bei körperlichen Beschwerden solltest du deinen Arzt oder deine Ärztin konsultieren. Vielleicht gibt es etwas, was dir Linderung verschaffen kann. Denn natürlich stehen die Beschwerden einer sexuellen Lust im Wege.

Bei allem anderen gilt aber wieder: Geduld. 

Das gilt für beide Partner. Hier geht es wirklich um ganz bestimmte Lebensphasen, die auch immer ein Ende haben. Und auch innerhalb der Phase kann es verschiedene Entwicklungen geben. Wie auch schon beim Zustand nach Geburt ist es sehr, sehr wichtig, dass ihr in eurer Partnerschaft im Austausch miteinander seid. Noch einmal: Nur, wenn dein Partner oder deine Partnerin weiß, was in dir vorgeht, was du dir wünschst, wovor du dich fürchtest, kann er oder sie darauf eingehen und auch Verständnis dafür zeigen.

Psychische Ursachen für die sexuelle Unlust bei Frauen

Nach den körperlich bedingten Ursachen schauen wir uns jetzt einmal die psychischen Gründe für Lustlosigkeit im Bett an.

6. Stress

Ist Stress nicht immer die Ursache Nr.1 bei allem? Vielleicht hast du eben beim Lesen schon kurz die Augen verdreht. Und weißt du was? Ich verstehe das total. Es ist ja fies...der Stress ist schuld an Schlafproblemen, an Gewichtsproblemen, an Hautproblemen, an Stimmungsschwankungen...und eben auch an Problemen mit der Libido. Sexuelle Unlust bei Frauen - und bei Männern, hervorgerufen durch Stress. Weil Stress wahnsinnig viel in unserem Körper durcheinanderbringt.

Leider leben wir einfach mittlerweile in einer Welt, in der es ziemlich schnell zugeht, in der oft Multitasking gefragt ist. Und wenn du Kinder hast, wirst du vermutlich gerade das zweite Mal mit den Augen gerollt haben, denn dann kennst du das sicherlich sehr, sehr gut.

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Stress reduzieren ist nicht einfach. Es erfordert meistens eine gute Planung. Setz dich einmal - allein oder gemeinsam mit deinem Partner - hin und versuche, das mal schriftlich zu Blatte zu bringen. So gewinnst du einen besseren Überblick. 

Fang mit folgenden Fragen an:

  • Was raubt dir Energie, was macht dich müde?
  • Welche Menschen strengen dich an, wenn du mit ihnen sprichst oder sie triffst?
  • Was muss alles von dir getan werden, was ist wirklich notwendig?
  • Könnt ihr bzw. du etwas outsourcen?
  • Was gibt dir Energie, was lässt dich aufatmen?
  • Welche Menschen beflügeln dich, wenn du mit ihnen zusammen bist?
  • Welche Herausforderungen verliere machen mich müde, weil ich die Auseinandersetzung vermeide?
  • Welchen Konflikten gehe ich aus dem Weg, die mich dadurch dauerhaft belasten?

...und vielleicht fallen dir noch mehr Fragen ein, mit denen du deinem persönlichen Stress auf den Grund gehen kannst.

Wenn du mit deinem Partner zusammenlebst, könnt ihr deine Ergebnisse dann gemeinsam auswerten. Das hat den Hintergrund, dass ihr gemeinsam überlegen könnt, was ihr ändern könnt. 

Vielleicht findet ihr so zum ersten Mal heraus, dass dich die ganze KITA-Kommunikation total stresst, deinen Partner aber gar nicht - wunderbar, dann kann er sie vielleicht ganz übernehmen. Und dein Partner hört von dir zum ersten Mal, dass du Rasenmähen entspannend findest - wo er das doch wirklich total nervig findet. Wenn ihr beide vom Rasenmähen gestresst seid, überlegt, ob ihr nicht die beiden Jungs in der Nachbarschaft engagieren könnt. Das sind nur x-beliebige Beispiele. Werdet kreativ! 

Aber natürlich gibt es auch immer Vieles, das in mancher Lebensphase eben nicht änderbar ist. Das hängt auch von der Art des Stresses ab (z.B. durch finanziellen Druck, Arbeitslast, Trauerfall….).

Dann ist es wichtig, Strategien zu finden, wie man damit anders umgehen kann. Hierbei kann es sehr hilfreich sein, sich einen Experten mit ins Boot zu holen, einen Coach oder Therapeuten. Was es hier für Unterschiede gibt, habe ich in einem früheren Artikel über Beziehungsberatungen zusammengefasst.

7. Beziehungsprobleme

Wenn es in der Beziehung gerade nicht gut läuft, ist es nicht verwunderlich, wenn auch im Bett Flaute herrscht. Sexuelle Lust kann sich nur einstellen, wenn mein Partner anziehend auf mich wirkt. Die Anziehungskraft wird aber erheblich gemindert, wenn man gerade sauer aufeinander ist. Aber nicht nur offene Streitigkeiten können hinderlich sein.

Es gibt viele Probleme, die in einer Beziehung auftauchen können und die sich unmittelbar durch sexuelle Unlust bei Frauen äußern, zum Beispiel:

  • Entfremdung vom Partner (zu wenig Zeit miteinander)
  • Probleme, zu vertrauen
  • ungelöste Konflikte
  • wenig Kommunikation, allgemein und im Hinblick auf sexuelle Wünsche

Für viele Frauen ist die emotionale Nähe zu ihrem Partner eine ganz wesentliche Voraussetzung für Sex - also auch für ihre Lust auf Sex. Bleiben die Probleme in der Beziehung ungelöst, können alle Sexratgeber, Spielzeuge oder sonstige Hilfsmittel nichts gegen die Lustlosigkeit ausrichten.

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Wenn du keine Lust mehr auf deinen Partner verspürst, dann ist das für euch beide belastend. Ebenso wie die Probleme in eurer Beziehung, denen deine Lustlosigkeit vielleicht zugrunde liegt. Ich habe einiges zu Beziehungsproblemen und möglichen Lösungen geschrieben, was dir vielleicht helfen kann, mehr Klarheit zu bekommen.

Du hast das Gefühl, es könnte eine bestimmte Ursache dafür geben, dass du deinem Partner nicht mehr nahe sein willst? Dann versuche, sie so genau wie möglich für dich zu benennen. Nimm dir dafür ruhig wieder Stift und Papier zur Hand!

  • Seit wann, glaubst du, besteht das Beziehungsproblem?
  • Wurde es durch etwas Bestimmtes verursacht oder hat es sich “eingeschlichen”?
  • Welche Ideen hast du, diesem Problem gemeinsam mit deinem Partner zu begegnen?

Vielleicht hilft dir auch mein interaktiver Test weiter, mit dem du herausfinden kannst, was eure Beziehungsbremsen sind.

Gehe dann ins Gespräch mit deinem Partner. 

❗ Ganz wichtig: Es geht nicht darum, einen Schuldigen zu suchen! Versucht beide, die Perspektive des jeweils anderen einzunehmen und Verständnis zu haben. Ihr seid ein Team und geht gemeinsam dieses Problem an.

8. Kinderwunsch

Wenn ein Paar sich für Kinder entscheidet und loslegt, dann rechnen die meisten Menschen wohl eher damit, dass es bald klappt. Die Vorfreude auf die spannende Zeit und das Baby ist groß und der Sex kann in dieser Zeit richtig explosiv sein.

Allerdings läuft es nicht immer so, wie es das Paar geplant hatte - und wenn sich nach einigen Monaten immer noch keine Schwangerschaft eingestellt hat, fangen oft langsam die Zweifel und Ängste an. Die Tatsache, dass es meistens einige Zeit dauert, kann dann nur wenig trösten.

Was dann die meisten Paare erstmal versuchen, ist der “Sex nach Plan”. Die fruchtbare Zeit der Frau wird ermittelt und dann so richtig genutzt. An sich ein guter Plan.

Kommt dir das alles bekannt vor?

Dann ahnst du es vermutlich schon...es kann mit der Zeit sehr lustmindernd wirken, wenn sich das Paar unter Druck setzt. Wenn ihr euch also zum Sex verabredet, obwohl ihr beide oder einer von euch eigentlich gerade überhaupt keine Lust hat. Dieses Funktionierenmüssen ist sehr unsexy. Und funktioniert es dann nicht mal, dann wird es mit der Zeit immer frustrierender. 

Die Lust leidet auch, wenn der Sex nur noch mit dem Kinderwunsch zu tun hat. Das kann besonders belastend für die Beziehung sein, wenn einer von euch einen weniger starken Kinderwunsch hat als der andere (sollte es diesen Unterschied geben, kann das an sich schon ein großer Konfliktpunkt sein).

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Wenn ihr euch schon länger in dem Kinderwunsch-Universum befindet, könnt ihr es vermutlich nicht mehr hören, dieses “Entspannt euch einfach!”, was einem von Freunden, Familie und Kollegen gerne mal geraten wird. Aber so einfach ist das eben nicht. Ihr habt ja einen großen, sehr emotionalen Wunsch, der sich gerade nicht erfüllt. Bis zu einem Jahr des Versuchens, so sagt man, ist noch im Normbereich. Danach kann man peu á peu abchecken, woran es liegen könnte.

Sprich dafür ganz offen mit deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin. Wenn dich das Thema seelisch sehr belastet, hol dir Unterstützung. Es gibt für den Bereich ein breites Angebot (eben auch, weil es die Nachfrage gibt - du bist nicht allein damit!) von Hebammen, Therapeuten oder Coaches, oft an Familienzentren angegliedert. 

Was heißt das jetzt für euer Sexleben? Dass die Lust bei der Planerei auf der Strecke bleiben kann, erscheint logisch. Trotzdem möchtet ihr vermutlich nicht völlig auf den Plan verzichten, um euch keine Chancen zu nehmen. Das ist verständlich. 

Ganz wichtig auch hier: eure Kommunikation. Tauscht euch regelmäßig aus. Sagt einander, was euch wichtig ist, was ihr euch wünscht und was euch fehlt. Eure Beziehung wird von einer großen Sorge überschattet (nämlich, keine Kinder bekommen zu können). Seid euch dessen bewusst. Übergeht die Sorge nicht, sondern versucht, ihr Raum im Gespräch zu geben.

Wenn ihr das schafft, hängt sie nicht mehr diffus dauernd über euch wie eine Regenwolke. Und dann könnt ihr versuchen, euer Sexleben vielleicht etwas aufzulockern, mit spielerischen Dates, kleinen Rollenspielen, was euch gefällt. Es geht darum, wieder etwas mehr Spaß in euer Bett zu bekommen. Das geht aber nur, wenn die Sorgen und der Schmerz woanders genug Platz bekommen. 

Vielleicht kann es auch helfen, Zeiten zu verabreden, in denen ihr euch explizit mit dem Thema beschäftigt. Und andere Zeiten, in denen ihr ganz bewusst nicht darüber sprecht und etwas unternehmt, um mal zwischendurch den Kopf freizubekommen.

9. Depression, Ängste, Traumata

Hier sind wir in einem Bereich, in dem professionelle Hilfe wirklich erforderlich ist. Wenn wir über die Lust auf und am Sex sprechen, dann ist es dafür natürlich ganz wesentlich, dass du dich gut und sicher fühlst bzw. deine Partnerin sich wohlfühlt.

Depressive Episoden kosten sehr viel Kraft und hemmen Aktivität im Allgemeinen. Oft fällt es dabei schwer, im Alltag auch nur zu “funktionieren”, geschweige denn im Bett dann mit Spaß und Freude dabei zu sein. Tatsächlich gehört Libidoverlust auch zu den Symptomen einer Depression, kann also auch als Hinweis darauf gesehen werden, falls du bislang noch nicht damit konfrontiert warst. Ängste und Traumata können stark blockieren. Versucht man dann, die Lust auf Sex zu erzwingen, können sie sogar verstärkt werden. Das gilt insbesondere, wenn du in der Vergangenheit  Erfahrungen gemacht hast mit sexuellen Übergriffen, sexuellem Missbrauch oder toxischen Beziehungen.

Was kannst du tun, was könnt ihr tun?

Wenn du (ggf. auch dein Partner) nicht schon in Behandlung bist, solltest du dir dringend Hilfe suchen. Du solltest als erstes mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber reden. Er oder sie kann einschätzen, welche weiteren Schritte sinnvoll für dich sein können. Hier kannst du auch nach Therapeuten fragen, die er oder sie empfehlen kann. Bei Geburtstraumata sprich als erstes - wenn möglich - mit deiner Hebamme. 

Depressionen sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber du bist damit nicht allein und es gibt ein sehr großes Angebot an Hilfen. Für Ängste oder Traumata gibt es speziell ausgebildete Therapeuten, z.B. Körper- oder Sexualtherapeuten und Traumatherapeuten.

Sex im Wandel - so bleibt die Liebe prickelnd

Entsteht die sexuelle Unlust bei Frauen manchmal auch einfach nur aus Langeweile in der Partnerschaft? 

Sprechen wir an der Stelle mal generell von Sex, gerade in langen Beziehungen. Der Mensch ist in vielen Dingen ein Gewohnheitstier. In manchen Bereichen ist das auch nicht schlimm - im Gegenteil. Beständigkeit kann auch entspannend wirken. Aber wenn man sich im Bett zu lange auf dem ausruht, was man meint zu beherrschen, kann es einem irgendwann um die Ohren fliegen. Dann wird der Sex erst als Routine empfunden, dann als langweilig. Die Lust aufeinander schwindet. Dazu kommt, dass sich unsere Körper ja auch verändern. Und auch das, was man als anregend empfindet, kann sich ändern. 

Wenn das Verlangen nach dem Partner weniger wird oder aufhört, wachsen oft gleichzeitig Schuldgefühle. Nicht selten kommt es zu Streit oder Missverständnissen, wenn sich der Mann abgelehnt fühlt, weil die Frau keine Lust hat. Schuldgefühle helfen aber - wie so oft - ebenso wenig weiter wie Vorwürfe. Vielmehr ist es wieder Zeit, zusammenzurücken, um gemeinsam an Änderungen in eurem Liebesleben zu arbeiten.

Was könnt ihr tun?

Zunächst einmal ist es wichtig, mitzuteilen, dass du derzeit mit eurem Sexleben nicht zufrieden bist. Wie erlebst du es? Und was sind deine Wünsche?

Teilt euch einander mit, hört einander zu und versucht, euren Partner in seiner jetzigen Situation gut zu verstehen. Vielleicht geht es euch beiden gleich, vielleicht macht einer von euch eine Übergangsphase durch. In beiden Fällen ist es jedoch möglich, diese Situation als Chance zu begreifen.

Das, was früher funktioniert hat, hat heute seinen Reiz verloren. Ihr habt euch verändert, aber euer Liebesleben hat noch kein “Update” bekommen. Ihr müsst daraus kein Problem machen, sondern könnt stattdessen mit Neugier und Offenheit gemeinsam erforschen, wohin die Reise jetzt für euch geht. Hast du vielleicht Phantasien, von denen du deinem Partner erzählen könntest? Gibt es etwas, was du schon immer mal ausprobieren wolltest? 

Vielleicht werdet ihr später zurückschauen und sagen: “Etwas Besseres als unsere Krise hätte uns nicht passieren können, was hätten wir sonst alles verpasst!” Und vielleicht hilft euch diese gemeinsame Reise auch dabei, euch nochmal neu und tiefer kennenzulernen.

Was sonst noch unterstützend helfen kann....

Es gibt natürlich auf dem Markt hunderte kleiner Mittelchen, die versprechen, die absoluten Lustbooster zu sein. Nimm diese Pille, diese Tropfen, diese Lotion und alles wird anders! Aber die meisten von uns sind mittlerweile wahrscheinlich eher misstrauisch bei solchen Versprechungen. Und ganz so, wie es die Werbung vermittelt, ist es sicher auch nicht. Erwarte also bitte keine Wunder.

Trotzdem gibt es natürlich in der Natur Wirkstoffe, die als luststeigernd gelten, auch wenn das wissenschaftlich nicht erwiesen ist. Dazu gehören z.B. Bockshornklee, Ginkgo, Maca, Ingwer oder Salbei. 

Wenn ihr beide Lust hättet, etwas Neues auszuprobieren, aber nicht recht wisst, was das sein könnte: Schaut mal nach Büchern zum Thema. Es gibt da ein großes Angebot, aus dem ihr euch das herauspicken könnt, was euch interessant erscheint. Auch entsprechende Filme können inspirierend sein, wenn ihr das für euch Passende heraussucht.

Fazit:

Sexuelle Unlust bei Frauen kommt öfter vor, als man vielleicht denkt. Wenn du unter Lustlosigkeit leidest, solltest du zunächst abklären, ob eine körperliche oder psychische Ursache dahinter stehen könnte. Dein Hausarzt bzw. deine Hausärztin, dein/e Gynäkologe/in oder deine Hebamme können dabei deine ersten Ansprechpartner sein. Sie können dir in der Regel auch geeignete Therapeuten in deiner Nähe nennen. 

Ansonsten kannst du auch nach speziellen Körper- oder Sexualtherapeuten schauen, wenn du dir mehr Unterstützung wünschst. 

In jedem Fall solltest du mit deinem Partner über deine Sorgen und Schwierigkeiten sprechen und ihn mit ins Boot holen. Das Thema Sex ist oft sehr emotional und sensibel, auch in Langzeitbeziehungen. Indem ihr euch auf Ursachensuche begebt, könnt ihr sogar ein wenig für Entspannung zwischen euch sorgen. Denn allein die Tatsache, dass es so viele externe Faktoren gibt, die der Grund sein können, dass die Frau nur wenig oder kein Verlangen nach Sex verspürt, kann entlastend sein für den Mann. Aber nur, wenn ihr offen miteinander im Gespräch seid, könnt ihr einander unterstützen. Und somit eure Beziehung langfristig wieder schöner und sexier gestalten.

Niklas Löwenstein


Muss ich mich wirklich trennen, oder gibt es noch Hoffnung? Niklas war kurz davor, seine Ehe gegen die Wand zu fahren... Um seine Kinder vor einer Scheidung zu bewahren und wieder glücklich werden zu können, stürzte er sich auf alles, was seiner Beziehung vielleicht helfen konnte. Aus dieser Suche wurde erst ein Hobby und dann nach und nach seine Lebensaufgabe. Heute ist seine Ehe glücklicher als je zuvor und er hilft mit seinen Artikeln, Büchern und Programmen hunderttausenden dabei, auch wieder glücklichere Beziehungen zu führen.

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