Woher weißt du, was du Schönes für deinen Partner tun kannst? Nicht jeder hat zu dem Thema direkt Ideen, auch wenn manche Menschen kreativer sind als andere. Was ich dir hier als Vorschlag mitgeben möchte, ist eine Art, strukturiert darüber nachzudenken, und eine Theorie, die es dir leichter macht, Dinge auszuwählen, die deinem Partner wirklich etwas bedeuten.

Dabei ist meine Theorie natürlich nicht die einzige. Sie ist inspiriert von verschiedenen großartigen Büchern, wie unter anderem “Die fünf Sprachen der Liebe” von Gary Chapman.

Ich glaube, dass meine Theorie der vier Prägungen der Liebe den Kausalmechanismus besser erklärt, aus dem heraus manche Menschen nach einem geschenkten Eis vor Rührung in Tränen ausbrechen. Andere hingegen haben für ein in wochenlanger Arbeit zusammengeschnittenes Video kaum mehr als ein freundliches Danke übrig (beides habe ich übrigens selber erlebt).

Der Wert, den diese “Prägungstheorie” für dich haben wird, ist, dass sie dich vorhersagen lässt, welche Dinge oder Taten das Herz deines Partners entflammen werden und welche es eher kalt lassen.

Also, worum geht es genau? In meinen Augen gibt es eigentlich nur vier Arten, wie man einem anderen Menschen überhaupt zeigen kann, dass man ihn lieb hat. Ich spreche dabei bewusst nicht von dem Partner, denn diese Regeln gelten ganz allgemein. Auch wenn du deinem Kind zeigen möchtest, dass du es lieb hast, werden dir keine anderen Möglichkeiten einfallen. Beziehungsweise, dir werden viele Dinge einfallen, aber wenn meine Theorie stimmt, sollte jedes davon eigentlich ein Unterpunkt einer dieser vier Kategorien sein.

  1. Positive Worte: Du kannst es mit Worten sagen oder schreiben.
    Wir können Liebe und Zuneigung mit Worten kommunizieren: über Lob, Komplimente, Anerkennung, Verständnis oder ein „Ich liebe dich“. Es geht dabei um ehrliche, herzliche und wertschätzende Sätze.
  1. Körperkontakt: Du kannst es mit liebevollen Berührungen zeigen.
    In einer Beziehung sind Kuscheln, Streicheln, Küssen und natürlich Sex meist gute Möglichkeiten, um seine Zuneigung zu zeigen. Aber auch Kinder merken durch Umarmungen und Körperkontakt, dass sie geliebt werden.
  1. Geschenke: Du kannst durchdachte Geschenke machen.
    Du kannst dir überlegen, worüber sich der andere wirklich freuen würde, also ein Geschenk auswählen, das ihm zeigt, dass du dich intensiv mit ihm beschäftigt hast.
  1. Zeit: Du kannst Zeit schenken.
    Zeit ist das wertvollste Gut, das wir haben. Ob Bill Gates oder Justin Timberlake, niemand hat am Tag mehr als 24 Stunden zur Verfügung. Wenn du dich entschließt, Zeit für jemanden aufzuwenden, zeigst du damit deine Wertschätzung. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder verbringt ihr wirklich bewusst gemeinsame Zeit, also nicht abgelenkt durch das Handy oder einen laufenden Film. Oder du nimmst dir bewusst Zeit, um sie dem anderen zu schenken. Das kann darin bestehen, die Spülmaschine auszuräumen oder trotz eines stressigen Tages einen Termin zu verschieben, um das Kind doch in die Kita bringen zu können.

 

Wir kennen nun also vier Arten, wie man einem Menschen zeigen kann, dass man ihn lieb hat. Aber was hat das mit „Prägungen“ zu tun? Wahrscheinlich kennst du das Wort im Zusammenhang mit Geldstücken. Wenn eine Münze geprägt wird, wird ihr ein Motiv oder eine Schrift mit viel Kraft aufgedrückt, sodass sich ihre Form unwiderruflich ändert.

Im Tierreich gibt es noch eine weitere Form des Prägens. Wikipedia sagt dazu: „Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens: Während eines meist relativ kurzen, genetisch festgelegten Zeitabschnitts werden Reize der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoire aufgenommen, dass sie später wie angeboren erscheinen.“

Auch wir Menschen werden in der Kindheit geprägt, und vieles, was wir gelernt haben, können wir später kaum noch ändern. Dazu gehört meiner Erfahrung nach die Art, wie uns jemand seine Liebe „beweisen“ kann. In unserer Kindheit lernen wir unbewusst durch die Art, wie unsere Eltern uns gegenüber ihre Zuneigung ausdrücken. Dabei sind Menschen und Erziehungsstile sehr unterschiedlich. Während manche Eltern beispielsweise ihre Kinder auch nach dem Kleinkindalter noch häufig knuddeln, fehlen Umarmungen in anderen Familien komplett.

Da diese Prozesse fast vollständig unbewusst laufen, tendieren wir später dazu, Liebe so zu zeigen, wie wir es selber erfahren haben. Es kommt aber noch eine Sache hinzu: Wir Menschen begehren meistens Dinge, die wir nicht haben oder nicht genug bekommen. Wenn ein Elternteil seine Zuneigung also nur spärlich gezeigt hat, dann kann uns das intensiver beeinflusst haben, als wenn die Liebe von anderer Seite selbstverständlich und im Überfluss kam.

Wenn der eigene Vater nur sehr wenig zu Hause war, sich dann aber gelegentlich eine halbe Stunde nur für uns Zeit genommen hat, hat uns das mit einiger Wahrscheinlichkeit stärker geprägt, als wenn die Mutter uns am laufenden Band mit Lob überhäuft hat. Für einen Partner mit der primären Prägung „Zeit“ kann es dann die Welt bedeuten, wenn du nach einem stressigen Tag die Handys aus dem Raum bringst, euch ein Glas Wein einschenkst und ehrlich interessiert fragst, wie der Tag gelaufen ist.

Ganz anders kann es mit einem Partner sein, dessen hauptsächliche Prägung „Positive Worte“ sind. Natürlich sind die Beispiele hier eher plakativ, aber es gibt ja Eltern, denen nichts gut genug ist. Sie beklagen sich, nachdem ihr Nachwuchs die Kreismeisterschaft im Schwimmen gewonnen hat, dass er unter seiner Bestzeit geblieben ist. So ein Kind verzehrt sich nach Anerkennung und kann das natürlich später nicht einfach ablegen. Hier kann schon das Lob „Schatz, ich fand es großartig, wie du heute Mika beruhigt hast, als er sich aufgeregt hat“ mehr Glücksgefühle hervorrufen als ein gemeinsames Abendessen.

Mir geht es hier darum, nachvollziehbar zu zeigen, dass jeder von uns in Bezug auf die Liebe geprägt wurde. Auch wenn die Ausprägungen unterschiedlich stark sind und viele auf mehr als eine der oben beschriebenen Kategorien reagieren, hat jeder diesbezüglich starke, unterbewusste Neigungen. Und leider neigen wir eben dazu, Liebe anderen auch in der Art zu zeigen, die uns selber am meisten liegt. Das wäre an sich ja noch nicht schlimm, allerdings unterscheiden sich die Prägungen zweier Partner ziemlich oft.

Während du verliebt bist, kommunizierst du meistens noch auf der ganzen Klaviatur der Möglichkeiten, Liebe zu zeigen. Du machst Komplimente, kannst nicht genug Zeit mit dem anderen verbringen, überlegst dir die tollsten Geschenke, und was Berührungen und Sex angeht …, na, das wirst du ja selber noch wissen, wenn du dich an eure Anfangszeit erinnerst.

Aber spätestens, wenn durch kleine Kinder einfach immer weniger Zeit für die Beziehung bleibt, nehmen sich Partner zurück und tendieren dazu, nur noch so zu kommunizieren, wie sie es selber gewohnt sind. Das ist nicht einmal böse gemeint, sondern nur natürlich. Wenn sich allerdings beide Partner so verhalten und sich die Prägungen unterscheiden, kann das schnell in eine Abwärtsspirale führen, da sich beide auf einmal nicht mehr wirklich geliebt fühlen.

Dann ist beispielsweise der eine Partner unglücklich, weil der andere sich nie Gedanken macht und das letzte Geschenk ein paar Rosen von der Tanke am Valentinstag waren. Gleichzeitig wird der andere Partner immer unglücklicher, weil es nie Zeit zu zweit zu geben scheint und selbst, wenn beide gemeinsam in einem Raum sind, das Handy oder der Fernseher immer wichtiger zu sein scheinen als man selber.

Genau wie eine Münze ohne Prägung keine Münze ist, gibt es keinen Menschen, der in seiner Wahrnehmung von Zuneigung nicht auf die eine oder andere Art geprägt ist. Zu verstehen, wie du deinem Partner deine Liebe so zeigen kannst, dass du emotional verstanden wirst, ist eines der wichtigsten Dinge, die du für eure Partnerschaft tun kannst.

Die Kehrseite der Medaille

Genau wie jede Münze zwei Seiten hat, hat auch jede Liebesprägung eine Kehrseite, der du dir bewusst sein solltest. Während dein Partner deine Liebe besonders spürt, wenn sie in der richtigen Liebesprägung ausgedrückt wird, so verletzt es ihn auch umso intensiver, wenn du die negativen Seiten gegen deinen Partner einsetzt.

  1. Positive Worte -> Negative Worte
    Partner, die gelernt haben, dass Liebe mit positiven Worten oder ernst gemeintem Lob ausgedrückt wird, schmerzen Beleidigungen und Zurechtweisungen deutlich mehr als andere.
  2. Körperkontakt -> Eiszeit
    Jemand mit der Prägung „Körperkontakt“ braucht liebevolle Berührungen, um sich der Liebe seines Partners bewusst zu sein. Bleiben diese aus oder werden kühl abgewiesen, wird schnell die ganze Beziehung hinterfragt.
  3. Geschenke -> Nicht an den Partner denken
    Einen Partner, für den der Ausdruck der Liebe ist, wenn der andere darüber nachdenkt, wie er ihm oder ihr eine Freude machen könnte, treffen vergessene Geburtstage oder Jahrestage ganz besonders. Sie sind für ihn ein Beweis dafür, dass die Liebe des anderen nicht sonderlich stark sein kann, und sie werden nicht so schnell vergessen.
  4. Zeit -> Zu wenig / keine Zeit nehmen
    Für diesen Prägungstyp ist es von grundlegender Bedeutung, dass sein Partner sich Zeit für ihn und seine Bedürfnisse nimmt. Solche Partner kannst du sehr leicht frustrieren, wenn du zugesagte Dinge nicht erledigst. Denn so wie es für sie ein Liebesbeweis ist, wenn du dir Zeit dafür nimmst, ihnen zu helfen, enttäuscht es sie umso mehr, wenn die versprochene Hilfe dann nicht kommt. Falls dein Partner diese Liebesprägung hat und du eher zu der vergesslichen Sorte gehörst, versuche mit gemeinsamen To-do-Listen oder ähnlichem gegenzusteuern. Ansonsten sind Probleme vorprogrammiert.

 

Genauso wie Partner dazu tendieren, Liebe vor allem in ihrer eigenen Prägung auszudrücken, wenn man im Alltag sehr gefordert ist, passieren Fehler und Missachtungen sehr viel eher in einer Prägung, die man selber nicht hat. Das liegt daran, dass man in der eigenen Prägung sofort wahrnimmt, wie sehr man den Partner verletzt, es einem in einer anderen aber häufig nicht einmal wirklich auffällt.

 

Der nächste Schritt

Dein Ziel sollte es jetzt sein, herauszufinden, welche Liebesprägung dein Partner mit in die Beziehung bringt, und diese Erkenntnis mit dem Beziehungstagebuch zu verknüpfen. Wenn du in den nächsten Wochen deinem Partner täglich etwas Gutes in seiner bevorzugten Weise tust und Negatives reduzierst, wird er bald das Gefühl haben, in der Beziehung seiner Träume erwacht zu sein. Und wenn ihr beide mit dem Beziehungstagebuch beginnt, wird sich eure Beziehung schnell ein paar Wolken upgraden.

Aber wie findest du heraus, was die Liebesprägung deines Partners ist?

Am besten sprichst du natürlich mit deinem Partner über das Konzept. Wahrscheinlich wirst du es so am einfachsten erfahren. Oft bekommst du es aber auch heraus, wenn du dir die folgenden Fragen stellst:

  • Wie drückt dein Partner Liebe dir gegenüber am häufigsten aus?
  • Worüber beschwert sich dein Partner am häufigsten?
  • Worum bittet dein Partner dich am häufigsten?

Auch wenn du normalerweise über Beschwerden deines Partners nicht sonderlich glücklich bist, können diese dir auch wertvolle Hinweise geben. Wenn sich dein Partner des Öfteren beklagt, dass ihr zu wenig Zeit zusammen verbringt, deutet das zum Beispiel auf „Zeit“ als primäre Prägung hin. Die Beschwerden und Bitten deines Partners sind der beste Weg, um herauszufinden, welche Liebesprägung dein Partner erhalten hat. Du musst nur aufmerksam zuhören.

Und wenn du dir über die Vorlieben deines Partners Gedanken gemacht hast, fang an, Ideen zu sammeln. Auf den folgenden Seiten solltest du jetzt und wann immer dir etwas einfällt, Ideen aufschreiben, wie du deinem Partner in seiner bevorzugten Art etwas Gutes tun könntest. Je mehr Ideen du hier über die Zeit zusammenträgst, desto leichter wird es dir fallen, jeden Tag eine Kleinigkeit in die richtige Richtung zu unternehmen. Und wenn du dir am Anfang der Woche überlegst, was die Woche so bringen könnte, kannst du auch Dinge planen, die vielleicht ein wenig Vorlaufzeit brauchen.

* Das war ein Kapitel aus dem Beziehungsjournal “Zurück auf Wolke Sieben