Bei jedem Streit denke ich an Trennung – was tun?

von  Niklas Löwenstein

Bei jedem Streit denke ich an Trennung." Das klingt ganz schön mies. Denn eigentlich willst du in deiner Beziehung ja glücklich sein. Deine Partnerschaft sollte geprägt sein von Liebe. Du weißt natürlich, dass Streiten in einer Beziehung normal ist. Aber dieses nagende Gefühl, das dich jedes Mal beschleicht, sobald ihr euch streitet, ist alles andere als schön. Und dann stellt sich natürlich die Frage: Sollte ich mich wegen eines Streits trennen?

Im Internet findest du dazu unterschiedliche Meinungen. Meine ist ganz klar: Nein, du solltest dich nicht wegen eines Streits trennen. Und vor allem solltest du während eines Streits nicht sagen, dass du an Trennung denkst.

Denn ist das einmal ausgesprochen, lässt es sich nicht mehr rückgängig machen. Egal, ob ihr euch wieder vertragt oder nicht: Die Drohung wird lange zwischen euch stehen. Und in einem Streit sagen wir Dinge im Affekt – ohne sie zu meinen. Es lohnt sich nicht, alles aufzugeben, nur, weil du gerade streitest.

In diesem Beitrag möchte ich dir deshalb nicht nur sagen, woran es liegt, dass wir uns streiten und welche Arten von Streit besonders gefährlich für eure Beziehung sind. Ich werde dir auch eine Übung an die Hand geben, mit deren Hilfe du mit Streits zukünftig viel gelassener umgehen kannst. Denn ganz ehrlich: Ein Streit ist ein Warnsignal, aber kein Grund für eine Trennung.

Warum streiten wir uns immer häufiger?

Streit ist prinzipiell nichts Schlechtes – solange er fair ausgetragen wird und beide Personen sich darüber im Klaren sind, worum es geht.

In bestimmten Situationen kommt der Streit fast in allen Beziehungen vor. Das sind Situationen, in denen sich eure Lebensumstände so grundlegend ändern, dass ihr bisher vereinbarte Verhaltensweisen in eurer Beziehung in Frage stellt. Manchmal geschieht das sehr bewusst, manchmal aber auch unbewusst.

Die meisten Paare erwischt es das erste Mal, wenn die Phase des Verliebt-Seins langsam abklingt. Nun sorgen nämlich nicht mehr die Hormone dafür, dass wir einander anhimmeln. Stattdessen müssen wir uns bewusst dafür entscheiden, in unsere Beziehung zu investieren.

Die Leidenschaft der ersten Monate ist vorbei. Alltag kehrt ein. Vieles im Tagesablauf ist geklärt. Man spricht vielleicht nicht mehr jede Kleinigkeit an. Und auch das Liebesleben wird langsam gewohnter.

Vielleicht hört es sich für dich sehr kitschig an, es stimmt aber: Das Feuer der Liebe brennt nicht mehr so hell. Ihr legt keine Holzscheite mehr nach, und nur von Sauerstoff kann die Flamme nicht lange leben. Sie droht, ganz auszugehen.

Ein erloschenes Feuer wieder zu entfachen bedeutet wesentlich größeren Aufwand, als regelmäßig Scheite nachzulegen. Falls du das Gefühl hast, dass dir die Ideen fehlen, wie du euer Liebesfeuer wieder anfachen kannst, melde dich gern zu meiner Liebesfeuer-Challenge an.

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Typische Situationen mit fiesen Beziehungs-Streits

Auch jenseits des Übergangs zwischen Verliebtsein und Liebe gibt es Klassiker, die eine Beziehung auf die Probe stellen.

Eine recht typische Situation ist ein Jobwechsel: Wenn sich dein Tagesablauf durch die neue Arbeit extrem ändert, kannst du bisherige Vereinbarungen vielleicht nicht mehr einhalten. Vielleicht kommst du später als bisher nach Hause und ihr streitet euch, weil du deinen Teil der Haushaltsaufgaben nicht schaffst.

Oder du hast plötzlich viel mehr Zeit und ihr müsst neu aushandeln, wie sich das auf die Aufgabenteilung auswirkt.

Auch ein Umzug oder eine Krankheit kann das Beziehungsgefüge auf die Probe stellen. Und dann gibt es natürlich noch die Nummer 1 aller Beziehungsproben (und vielleicht sogar die Nummer 1 aller Beziehungsprobleme): Eigene Kinder.

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich in fast jeder Partnerschaft das Paarverhältnis. Vieles muss neu ausgehandelt werden. Aufgaben, Verantwortungen, aber auch Kräfteverhältnisse und finanzielle Spielräume ändern sich grundlegend. Wenn ihr darüber nicht ausführlich sprecht, kommt es schnell zu falschen Vorstellungen, die dann wiederum zu Unzufriedenheit und Streit führen.

Übrigens: Dass sich Paare durch die Geburt von Nachwuchs von einander entfernen und nur noch über Aufgabenverteilung sprechen, kommt leider sehr häufig vor. Das After-Kids-Dilemma betrifft extrem viele Paare, weil wir leider in all den Geburtsvorbereitungskursen nicht lernen, wie wir es schaffen, ein Paar zu bleiben, wenn ein Kind geboren wird. Nicht selten landen genau diejenigen Paare, denen man es von außen gar nicht ansieht, bei der Paartherapie. Wenn dir diese Situation bekannt vorkommt und du gern etwas dagegen tun möchtest, lade ich dich in mein kostenloses Webinar zum After-Kids-Dilemma ein.

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Streite, die häufig einer Trennung vorausgehen

Manchmal streiten wir uns wegen sehr konkreter Ideen: Sollen wir dieses Auto kaufen oder jenes? Oder doch lieber ein Fahrrad? Das sind Streite, die meist einen aktuellen Auslöser haben und die wir, solange wir uns an die Regeln des fairen Streits halten, auch wieder lösen können.

Doch jenseits dieser konkreten Probleme gibt es auch Streits auf der Meta-Ebene – also Streite über Streits oder Streite, die über die aktuelle Situation hinausgehen.

Diese Streite sind für eine Beziehung viel problematischer und sie führen viel häufiger zu dem Impuls, sich trennen zu wollen. Denn bei diesen Streiten geht es darum, das gesamte Spielfeld neu auszurichten. Es geht also nicht nur darum, wer gerade gefoult hat und wieso, sondern es geht darum, ob diese Handlung überhaupt ein Foul war. Vielleicht hilft dir ein Beispiel vom Boxen: Ihr beide seid nicht nur Gegner im Ring, sondern eine Person macht sich gleichzeitig zum Punktrichter.

Besonders solche Streite sind es, bei denen wir manchmal die ganze Beziehung infrage stellen. Und vielleicht denken wir dann sogar auch an eine Trennung.

Einige der typischsten Streitmuster, bei denen es darum geht, die Spielregeln grundlegend zu verändern, liste ich im folgenden auf. Überleg mal, wo du dich wiedererkennst.

Wir leben wie in einer WG

Der Vorwurf wiegt schwer: Wie du und dein Partner oder deine Partnerin zusammenleben, könntest du auch mit vielen anderen Leuten zusammenleben. Ihr habt eure Zuständigkeiten geklärt und vielleicht unternehmt ihr zwischendurch sogar mal was gemeinsam. Aber ihr seid euch gegenseitig keine Rechenschaft schuldig und im Prinzip entscheiden beide für sich, was sie tun oder lassen wollen.

Der Vorwurf dahinter ist klar: Das Interesse aneinander ist gering. Eine gemeinsame Zukunftsplanung gibt es nicht.

Du hilfst nicht im Haushalt

Noch blöder als “du hilfst nicht im Haushalt” ist der Satz “du hilfst nie im Haushalt”. Der Vorwurf ist so nämlich gleich noch genereller und deshalb schwerwiegender. Der Streit entzündet sich vielleicht an einem konkreten Anlass, aber er geht darüber hinaus: Es geht darum, was ihr von der jeweils anderen Person wahrnehmt und was nicht.

Natürlich haben immer beide Menschen im Haushalt zu tun – selbst, wenn sich die Aufgaben 99 zu 1 Prozent aufteilen. Aber:

  • Wie viel nehmen wir wahr von dem, was die andere Person leistet?
  • Inwiefern sehen wir das als gegeben an und wundern uns erst, wenn es wegfällt? 

Weil sich Paare verhältnismäßig oft über die Aufgabenteilung im Haushalt streiten, fällt hier leider auch immer wieder die Idee, sich doch am besten zu trennen. Denn der Haushalt ist eigentlich nur der Sündenbock für ein viel schwerwiegendes Problem: Du fühlst dich von der anderen Person vernachlässigt, weil es dieser nicht wichtig ist, deine Bedürfnisse zu erfüllen.

Besonders haarig wird es, wenn der Streit auf unterschiedlichen Auffassungen von Sauberkeit und Ordnung beruht. Schnell nehmen wir nämlich an, dass unsere Ansichten die einzig richtigen sind.

Wir haben keinen Sex mehr

Im ersten Moment erscheint das vielleicht sehr konkret: Du willst Sex, dein Partner nicht. Oder umgekehrt. (Statistisch gesehen wollen Männer häufiger mehr Sex als Frauen.)

Doch schnell geht es eigentlich über die aktuelle Situation hinaus. Es geht um Zärtlichkeit, um Mental Load und um das Gefühl, begehrt und angenommen zu werden.

Ein einzelner Abend, an dem eine Person Sex will und die andere nicht, wird kein grundsätzliches Problem erschaffen. Eine wiederkehrende Abfuhr ist dagegen auf Dauer ein Beziehungskiller und führt zu sehr fiesen Streitereien. 

Falls die Frage, wie häufig ihr miteinander schlaft, bei euch ein Thema ist, können dir diese beiden Beiträge vielleicht weiterhelfen:

Sexuelle Unlust beim Mann
Sexuelle Unlust bei Frauen

Wir hätten uns schon damals trennen sollen

Oder, anders formuliert: Ich hätte dich schon damals verlassen sollen. Bei diesem Streit geht es überhaupt nicht mehr um den konkreten Anlass. Im Gegenteil: Die gesamte Beziehungsgeschichte wird in Frage gestellt. Es geht darum, ob die Entscheidung von damals richtig oder falsch war. Die aktuelle Situation ist der Auslöser. Er verstärkt aber lediglich die Zweifel und negativen Gefühle der Vergangenheit.

Ich will mich nicht mehr streiten

Wer nicht mehr streiten will, hat aufgegeben. Wenn du deinem Partner oder deiner Partnerin sagst, dass du nicht mehr streiten willst, sagst du gleichzeitig: Ich will mich auch nicht mehr versöhnen. Ich will keine Kraft und Energie mehr aufbringen, mich mit dir auseinanderzusetzen. Du resignierst und gibst deine Beziehung auf. Und damit nimmst du sowohl dir als auch deinem Partner oder deiner Partnerin die Möglichkeit, die Situation wieder geradezubiegen.

Was soll ich tun, wenn ich bei einem Streit an Trennung denke?

Ich habe es oben schon ganz klar gesagt: Sprich auf keinen Fall deinen Gedanken an eine Trennung aus! Damit machst du mehr kaputt, als du erreichst. Denn entweder gibt die andere Person ebenfalls auf und ihr trennt euch im Affekt, oder die andere Person versucht, dich umzustimmen oder für dein Verhalten zu bestrafen. Was bleibt, ist die Unsicherheit: Eine Trennung steht nun grundsätzlich bei jedem Streit im Raum und vergiftet die Atmosphäre. Angst vor der Trennung begleitet jeden noch so kleinen Streit. Es wird lange dauern, das Vertrauen wieder aufzubauen. Gleichzeitig wird eine Scheidung immer wahrscheinlicher.

Deshalb ist es viel sinnvoller, in einem Streit ruhig durchzuatmen und den Sturm vorbeiziehen zu lassen. Trennungen während eines Streits schießen nämlich allzu oft über das Ziel hinaus. 

Ich habe selbst erlebt, dass es das eine ist, diesen Text zu lesen und zu denken: Ja, das stimmt, so werde ich es machen. Ich werde beim nächsten Streit ruhig bleiben. Etwas ganz anderes ist es aber, in der konkreten Situation ruhig zu bleiben – wenn du aufgebracht und wütend bist und am liebsten die Faust auf den Tisch schlagen und damit drohen würdest, die Person zu verlassen.

Um dann wirklich ruhig zu bleiben, brauchst du Übung. Ganz konkret hilft dir ein Mantra, das du so tief in deinem Unterbewusstsein verankerst, dass dein Hirn es einfach abspult. Dabei ist es egal, wie aufgebracht du bist.

Wie genau das mit dem Mantra zur Bewältigung schwieriger Situationen (wie einem Streit mit dem Partner oder der Partnerin) funktioniert, habe ich dir in meinem Worksheet zusammengefasst.

Dein Bewältigungsmantra Vorschau des PDF

Ich zeige dir, welche drei Schritte du schon jetzt, vor dem Streit, gehen kannst, um beim nächsten Streit nicht mehr sofort an Trennung oder gar Scheidung zu denken. Das wird euch langfristig in eurer Beziehung sehr helfen. Denn Streite lassen sich am besten dann lösen, wenn beide Seiten darauf vertrauen können, dass alle das Ziel haben, den Streit zu lösen, statt das Spielfeld zu verlassen.

👉 Das PDF zum Bewältigungs-Mantra bekommst du hier

Wie sorge ich dafür, dass ich bei einem Streit erst gar nicht mehr an Trennung denke?

Die gute Nachricht: Wenn eure Beziehung liebevoller wird, wirst du bei einem Streit erst gar nicht mehr an Trennung denken. Weil du dir sicher bist, dass du mit diesem Menschen zusammenbleiben willst.

Die schlechte Nachricht: Sie wird nicht von selber wieder harmonisch und liebevoll. Eine schwierige Beziehung zu retten, ist ein aktiver Prozess. Wie schwierig er ist und wie lange er dauert, hängt vom Einzelfall ab. Eins funktioniert aber auf keinen Fall: Abwarten, bis die andere Person die Initiative ergreift. Stattdessen gilt: Wenn du deine Beziehung retten willst, nimm dein Glück selbst in die Hand.

Der ideale Zeitpunkt dafür ist jetzt, und der ideale Start sind meine Klarheits-Videos. Mithilfe der Videos kannst du herausarbeiten, was du dir von deiner Partnerschaft eigentlich wünschst und wie du genau das erreichst. Hier kannst du dich direkt kostenlos für die Videos anmelden:

Niklas Löwenstein


Muss ich mich wirklich trennen, oder gibt es noch Hoffnung? Niklas war kurz davor, seine Ehe gegen die Wand zu fahren... Um seine Kinder vor einer Scheidung zu bewahren und wieder glücklich werden zu können, stürzte er sich auf alles, was seiner Beziehung vielleicht helfen konnte.

Aus dieser Suche wurde erst ein Hobby und dann nach und nach seine Lebensaufgabe. Heute ist seine Ehe glücklicher als je zuvor und er hilft mit seinen Artikeln, Büchern und Programmen hunderttausenden dabei, auch wieder glücklichere Beziehungen zu führen.

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